Manche Races verändert man nicht nur als Athletin — sie verändern einen. Die Infinite Trails Staffel in den österreichischen Alpen war so ein Rennen. Drei Läufer, 100 Kilometer, über 8.000 Höhenmeter insgesamt. Dr. Alexandra v. Strempel, Coach bei runningsociety, blickt zurück — und erklärt, was solche Erfahrungen wirklich bedeuten.

Das Rennen: Infinite Trails in Zahlen

Infinite Trails ist eines der spektakulärsten Trail-Running-Events Europas. Das Staffelformat macht es möglich, Distanzen zu laufen, die alleine an einem Tag kaum machbar wären — und gleichzeitig ist jeder Läufer auf sich gestellt, wenn er auf dem Trail ist. Kein Schieben, keine Ablösung mittendrin. Nur du, der Berg, und die Zeit.

Alexandras Team: Sie selbst, Celine und Axel. Drei runningsociety-Athleten, drei unterschiedliche Stärken, ein gemeinsames Ziel.

Alexandras Strecke: ca. 45 km mit über 3.000 Höhenmetern.

Zum Vergleich: Ein normaler Bergmarathon hat 42 km. Alexandras Abschnitt war also kein "Beitrag zur Staffel" — er war ein vollwertiges Ultra-Rennen.

Was auf den Bergen wirklich passiert

Es gibt einen Moment bei jedem langen Bergrennen, der unvermeidbar ist. Die Oberschenkel brennen nicht mehr — sie fühlen sich gar nicht mehr an. Der Kopf übernimmt. Und dann fragt er: Warum bin ich hier? Kann ich aufhören?

Alexandra beschreibt diesen Moment als den entscheidendsten des Rennens — nicht weil er schwierig war, sondern weil er ihr gezeigt hat, was funktioniert: "Die Berge schicken einen Schlag nach dem anderen. Was hilft, ist nicht mehr Kraft zu haben — sondern sich daran zu erinnern, warum man hier ist."

Für Alexandra war das in Teilen die Crew. Celine und Axel warteten am Staffelübergabepunkt. Die Gewissheit, dass jemand wartet — dass das eigene Durchhalten direkte Konsequenzen für andere hat — ist ein mächtiger Motivator. Stärker als jede innere Disziplin.

Die Rolle der Natur bei Extrembelastungen

Was macht es mit einem, stundenlang in hochalpiner Landschaft zu laufen? Physiologisch ist es eine extreme Belastung. Psychologisch ist es oft das Gegenteil: ein Zustand tiefer Klarheit.

Forschung zur Stressreduktion durch Naturexposition zeigt, dass hochalpine Umgebungen die kortikale Übererregung — das ständige Grübeln, Planen, Kontrollieren — effektiv unterbrechen. Der Aufmerksamkeitsfokus verschiebt sich komplett auf den nächsten Schritt, die nächste Kurve, den nächsten Meter. Etwas, das Therapeuten "Achtsamkeit" nennen, entsteht im Trail-Running von alleine.

Das erklärt, warum viele Ultra-Läufer berichten, nach langen Bergläufen mental klarer zu sein als vorher — trotz oder gerade wegen der körperlichen Erschöpfung.

Ultra-Mindset: Was der lange Weg lehrt

Es gibt eine Parallele, die Alexandra immer wieder beschäftigt: Die Struktur eines Ultra Runs und die Struktur einer akademischen Promotion sind erschreckend ähnlich.

Beide dauern lange — viel länger als ursprünglich geplant. Beide haben Phasen, in denen der Fortschritt unsichtbar ist. Beide haben Tiefpunkte, die sich wie das Ende anfühlen, es aber nicht sind. Und in beiden gilt dieselbe Regel: Du kommst nicht ans Ziel, indem du schneller bist. Du kommst ans Ziel, indem du aufhörst aufzuhören.

Alexandra hat beides durchgezogen — das Rennen und die Dissertation. Und sie sagt, dass die Erfahrungen im Gebirge ihr akademische Krisen leichter überstehen geholfen haben als jede Produktivitätstechnik. Sie wusste: Sie hatte schon schwerere Dinge zu Ende gebracht.

Was du aus dieser Geschichte mitnimmst

Du brauchst keinen Ultra auf dem Plan, um vom Ultra-Mindset zu profitieren. Die Fähigkeit, in einem langen, unkomfortablen Prozess konsistent weiterzumachen — im Beruf, im Sport, im Leben — ist eine Kompetenz, die sich trainieren lässt. Und Laufen ist eines der zugänglichsten Trainingsfelder dafür.

Ob du mit einer 5k-Runde anfängst oder einen Staffel-Ultra ins Auge fasst: Der Weg ist derselbe. Anfangen, Fortschritt machen, Rückschläge überstehen, weitermachen.

Die runningsociety-Community begleitet dich auf diesem Weg — in der Stadt und in den Bergen. Komm vorbei.

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4. Juni 2026