Unter der Woche: Isar, Englischer Garten, Stadtlauf mit der Crew um sechs Uhr morgens. Am Wochenende: Höhenmeter, Höhenmeter, Höhenmeter. Das ist kein Zufall. Es ist Philosophie. Dr. Alexandra v. Strempel, Coach bei runningsociety und leidenschaftliche Trail Runnerin, erklärt, was das Laufen in der Natur mit dem Körper, dem Kopf und dem Herz macht.

Zwei Arten zu laufen

Stadtlaufen und Trail Running sind beides Laufen — physiologisch ähnlich, psychologisch vollkommen unterschiedlich. Wer nur auf der Straße oder im Park läuft, kennt meistens genau: wie weit, wie schnell, wie viel. Die Strecke ist planbar, der Kopf läuft nebenher.

Trail Running ist das Gegenteil. Du schaust auf den nächsten Meter Boden. Du reagierst. Du stolperst, du entscheidest, du kletterst, du schiebst. Der Kopf ist vollständig im Moment — nicht, weil man sich zwingt zu "meditieren", sondern weil die Alternative ein Sturz ist.

Das ist nicht Nachteil, sondern Feature. Achtsamkeit, die sonst mühsam herbeigeführt werden muss, entsteht im Trail ganz von selbst.

Was Forschung über "Green Exercise" sagt

Die Wissenschaft nennt es Green Exercise — körperliche Aktivität in natürlicher Umgebung. Und der Forschungsstand ist eindeutig: Bewegung in der Natur hat nachweislich stärkere positive Effekte auf die psychische Gesundheit als äquivalente Aktivität in städtischer oder Indoor-Umgebung.

Eine systematische Übersichtsarbeit zu Green Exercise zeigt: - Signifikante Reduktion von Stress und Angst bereits nach einer einzigen Einheit - Stimmungsverbesserung und Reduktion von Depressionssymptomen - Gesteigerte Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl - Bessere kognitive Erholung (Restoration nach mentaler Erschöpfung)

Der Mechanismus dahinter ist biopsychologisch: Natürliche Umgebungen aktivieren unser parasympathisches Nervensystem, reduzieren kortikale Überaktivierung (die "Grübelschleife") und triggern evolutionär verankerte Entspannungsreflexe. Unser Nervensystem erkennt Natur als sicheren Kontext — und schaltet runter.

Warum Höhenmeter mehr als Kondition trainieren

Wer regelmäßig bergauf läuft, trainiert nicht nur die Oberschenkel. Wer einen langen Anstieg hochgeht — 500 Meter, 1.000 Meter, mehr — erfährt etwas, das auf der flachen Runde nicht entsteht: echte Ausdauer im mentalen Sinne. Du kannst nicht schummeln. Du kannst das Tempo nicht hochhalten. Du musst dich mit dem Unbehagen anfreunden, langsam zu sein und trotzdem weiterzugehen.

Das ist genau das Muster, das im echten Leben unter Druck entscheidend ist.

Alexandra beschreibt es so: "Berge lehren Demut und Konsequenz gleichzeitig. Du kommst oben an, weil du es nicht aufgegeben hast — nicht weil du besonders schnell warst."

Die Kraft der Wochenend-Läufe in den Bergen

Das runningsociety-Konzept ist bewusst zweigeteilt: Die Wochentage gehören dem strukturierten Training in der Stadt — pünktlich, mit Gruppe, in messbaren Einheiten. Die Wochenenden gehören dem Ungemessenen. Längere Läufe, Trails, Berge, Zeit in der Natur.

Diese Kombination ist nicht zufällig. Sie bedient zwei völlig unterschiedliche physiologische und psychologische Bedürfnisse — und beides zusammen macht vollständigere Athleten und, was wichtiger ist, vollständigere Menschen.

Ultra Running — also Rennen und Training weit über den Marathondistanzen — ist für Alexandra nicht Selbstquälerei. Es ist eine Entscheidung für eine andere Form von Klarheit. Auf langen Läufen im Gebirge fallen alle Ablenkungen weg. Was bleibt, ist konzentriert.

Ultra Running als Lebensschule

Was auf 50 oder 100 Kilometern in den Bergen passiert, passiert auch im Leben: Es gibt Phasen, in denen man nicht mehr kann und trotzdem weitermachen muss. Es gibt Tief nach Tief nach Tief, bevor der nächste Gipfel sichtbar wird. Und es gibt Momente, in denen man sich fragt, warum man das tut.

Die Antworten, die man beim Ultra Running findet, sind dieselben, die auch in anderen langen Projekten tragen — bei einer Doktorarbeit, einem Unternehmensaufbau, einer intensiven Berufsphase. Der Ultra-Mindset ist kein Sport-Konzept. Er ist eine Haltung.

Wenn du wissen willst, was das für dich bedeutet: Komm beim nächsten Wochendlauf mit. Oder schreib uns einfach. runningsociety.de

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4. Juni 2026